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Auf dieser Seite schreibe ich von meinen

persönlichen Erfahrungen mit der RF 900 R

 

Viele Tips zu Modifikationen rund um die

RF 900 R gibt es auch in meiner neuen

Bastelecke ->

 


Meine RF 900 R habe ich mir im Juli 1998 gekauft.

Sie hatte zu dieser Zeit 32700 km auf der Uhr und wurde im Mai 1994 das erste Mal zugelassen.

Inzwischen ist ein Jahr vergangen, die Suzuki hat gut 10000 km hinter sich gelassen und ich einige Erfahrungen mit ihr gesammelt.

Fangen wir mal am Anfang an:

Mein vorheriges Motorrad war eine Honda CB SevenFifty, mit der ich ca. 3 Jahre hochzufrieden etwas über 20000 km zurückgelegt habe.

Ich war allerdings schon länger auf der Suche nach etwas mehr Wind- und Wetterschutz. Durch Zufall sah ich dann die RF 900 beim Honda Händler stehen und habe mich eine Probefahrt, sowie einige Tage für den Papierkram, später zum Kauf der Suzuki entschlossen.

Die Suzuki gefällt mir (bis auf den etwas breiten Hintern) optisch ausgesprochen gut und war bei Inzahlungnahme meiner CB 750 recht günstig in der Anschaffung.

Mit am beeindruckendsten war die Erfahrung mit dem 937ccm Motor. Ein Ausbund an Kraft und Drehmoment und dabei völlig unkompliziert zu fahren. Ab ca. 2000 Umdrehungen zieht er schon ruckelfrei los und wird ab 4000 U/min richtig munter. Ein kleiner Bereich mit erhöhten Vibrationen ist bei ca. 5000 U/min zu bemängeln wobei der Motor ohnehin nie die Laufkultur der SevenFifty erreicht. Scheinbar gehört aber bei Suzuki Motoren Klappern zum Handwerk. Zuerst war ich schon manchmal etwas erschrocken, was die RF 900 im Leerlauf an mechanischer Geräuschkulisse zu bieten hat. Nach vielen Versicherungen anderer Suzuki Fahrer, daß das bei Suzuki so gehört, hab ich mich mittlerweile aber dran gewöhnt und empfinde inzwischen die SevenFifty als weichgespült :-)

Als Erlebnis empfinde ich es auch heute (nach einem Jahr) immer noch, wie die RF 900 in höheren Drehzahlen loszieht. Kommt die Nadel in die Gegend um die 10000 U/min, fühlt sich die RF schon bald wie eine kleine Hayabusa an (Ich bin schon eine Probegefahren und weiß was ich schreibe).

 

Bekommen hab ich die RF 900 mit aufgezogenen Metzeler-Reifen. Vorne ME Z1 (120/70/17) und hinten ME Z2 (180/55/17). Der Vorderreifen war schon recht abgefahren, der Hinterreifen sah noch recht gut aus. Gefahren ist die RF mit diesen Reifen meiner Meinung nach absolut Katastrophal. Der Vorderreifen hatte durch die erhöhte Abnutzung an den Flanken schon ein etwas kippeliges Fahrverhalten und der Hinterreifen war bei nasser Straße einfach unmöglich. Die RF wollte mich, trotz vorsichtigem Beschleunigen, praktisch in jedem Kurvenausgang mit dem Hinterrad überholen.

Der Vorbesitzer war in diesem Punkt so ziemlich einer Meinung mit mir. Ihn interessierte aber mehr die enorme Abriebfestigkeit des ME Z2, da er normalerweise im Nassen sowieso nicht fährt. Auf meine Bemerkung hin, daß der Z2 ja offensichtlich erst neu aufgezogen sei (kann man ja vermuten, wenn da noch gut 5mm Profil drauf sind) meinte der Vorbesitzer, daß der Reifen schon gute 6000 Km gelaufen hätte.

Ich hab bei der Gelegenheit vom Vorbesitzer noch einen Kern-Stabi Schwingenständer sowie ein Werkstatthandbuch für die RF 600 / 900 vom Bucheli-Verlag erworben. Beides kann ich nur wärmstens weiterempfehlen!

Mit dem frisch erworbenen Werkstatthandbuch machte ich mich sogleich an die fällige große Inspektion. Den Zündkerzenwechsel hab ich bei der Gelegenheit abgewandelt. Ich hatte im Motorrad Online Forum den Gebrauchttest der RF 600 studiert und dabei fiel mir ein Leserbrief besonders ins Auge. Ich zitiere mal kurz einen Satz:

"Ich erstand meine offene 95er RF 600 R gebraucht für 11000 Mark beim Händler. Zunächst mußte ich alle zwei bis drei Wochen die Zündkerzen wechseln. Eine Werkstat in Winningen/Mosel half mir aus dem Desaster heraus - die Lösung: NGK CR 9 EK mit Doppelelektrode."

 

Meine RF 900 machte bis dahin zwar keine Probleme dieser Art, aber da die Doppelelektroden auch nur 2 Mark pro Stück mehr kosten als die normalen vorgeschriebenen Zündkerzen, hab ich einfach mal die genommen. Was soll ich dazu sagen? Es gibt absolut keine Probleme mit dem Kaltstart, verölt ist auch keine Kerze. Ich werde die Kerzen wohl wieder kaufen, ist einfach ein gutes Gefühl :-)

Ansonsten alles soweit ohne Probleme glattgegangen, obwohl ich mir die Kontrolle des Ventilspiels ziemlich kompliziert vorgestellt hatte. War aber recht einfach und alle 16 Ventile lagen innerhalb der vorgegebenen Toleranzen.

Als erste Modifikation an der RF 900 ist der Anbau des Scottoiler zu nennen. Die SevenFifty hatte ich zwar in Zahlung gegeben, der Scottoiler jedoch wurde vorher abgebaut. Meiner Meinung nach gibt es kaum ein sinnvolleres Zubehör für Kettengetriebene Motorräder, aber das ist ein ganz anderes Thema :-)

Dann mußte unbedingt ein Fahrradcomputer her. Nicht das man sowas unbedingt zum Überleben braucht, es ist wohl eher sowas wie der Dackel auf der Heckablage eines Autos :-)

Der SIGMA BC7000 Speedmaster zeigt Geschwindigkeiten bis 300km/h und hat alles was man sonst noch so braucht (Uhr, Tageskilometerzähler usw.). Kostet um die 30,-DM und ist problemlos anzubauen. Eine genaue Anbau-Beschreibung findet man auf Schlaggos Radltacho Seite <http://www.regent.e-technik.tu-muenchen.de/~ros/mo/radltach/index.htm>


 

Jetzt kommt das erste Negativ-Erlebnis:

Die erste größere Fahrt mit der RF 900 sollte mit Bekannten in den Odenwald gehen. Wir trafen uns an der Burg Frankenstein bei Eberstadt und fuhren in Richtung Michelstadt los. Kurze Zeit später wollte meine RF aber nicht mehr alle Flüssigkeiten bei sich behalten und machte bei jedem kurzen Halt eine größere Pfütze Benzin unter sich. Eine kurze Analyse der Situation ergab, daß da offensichtlich ein Vergaser überläuft.

Somit verbrachten ich und zwei Bekannte den halben Sonntagnachmittag an einer Tankstelle im Odenwald um der RF wieder auf die Beine, ähh Reifen, zu helfen. Die Demontage der Vergaserbatterie mit dem vorhandenen Bordwerkzeug gestaltete sich außerordentlich interessant und sorgte für heftige verbale Ausbrüche aller Beteiligten, zumal gerade an diesem Tag die Sonne heftig auf den schattenlosen Tankstellenplatz herunterbrannte. Nachdem wir den überlaufenden Vergaser ausfindig gemacht, dessen Schwimmerkammer abgenommen und das Schwimmernadelventil mit kräftigem Pusten gesäubert, aber irgendwie nix konkret als Ursache in Frage kommendes gefunden hatten, bauten wir den Vergaser wieder zusammen. Danach lief die RF 900 wieder, als wäre nie was gewesen. Trotzdem schaute ich immer wieder mißtrauisch unter mich, ob sich nicht wieder eine Pfütze Benzin unter der Suzuki ausbreitet.

Das mal ein Schwimmer hängenbleibt und dadurch der Vergaser überläuft, kann sicher jedem Motorrad passieren (zumal die Vergaser ja von Mikuni und nicht von Suzuki sind). Trotzdem bewerte ich das mal als schlechte Erfahrung.

 


 

Mit den Metzelern bin ich dann noch einige Wochen rumgefahren und hab mit einem etwas gewöhnungsbedürftigem Einlenkverhalten, sowie starker Aufstellneigung beim Anbremsen in Kurven gekämpft. Als ich zu dieser Zeit mit einem Bekannten auf der Heimfahrt von der Eurodemo in Bonn mal kurz das Mopped tauschte und bei dieser Gelegenheit die erste Ducati (750ss) fahren durfte, bestätigte er meine Eindrücke vom Fahrwerk der RF 900. Recht angetan war er allerdings vom Motor der Suzuki :-)

Ich dagegen dachte zuerst ständig, mir würde die Duc in der Kurve umfallen. Die 750ss ist halt schon sehr handlich und erst recht mit aufgezogenen Bridgestone BT56. Nach einer knappen halben Stunde hatte ich mich dann soweit dran gewöhnt, daß mir die Duc anfing Spaß zu machen.

Nachdem wir die Moppeds wieder zurück getauscht hatten sprachen wir noch kurz über unsere Eindrücke. Ich schob ja einen Teil des komischen Fahrverhaltens der Suzuki auf die Gabel, die ja in praktisch jedem Test mit schlechten Noten überschüttet wurde. Mein Bekannter meinte aber, die Gabel wäre soo schlecht nicht und ich solle doch zuerst mal mit der Bereifung anfangen.

Das tat ich dann auch und bestellte mir nach meinen guten Erfahrungen mit Bridgestone auf der Honda CB SevenFifty, für die RF 900 einen Satz Bridgestone BT 57 (120/70/17 + 170/60/17).

Beim Ausbau der Räder stellte ich noch fest, daß das Vorderrad in der Mittelstellung richtig schön einrastete. Aha, neues Lenkkopflager ist also auch fällig. Das war dann schon eine gute Erklärung für das merkwürdige Einlenkverhalten.

Mit den BT57 konnte ich durch anhaltend schlechtes Wetter in der Folgezeit nur wenige Erfahrungen sammeln. Die RF fuhr sich aber wie verwandelt gegenüber den (verbrauchten) Metzelern.

Zwischenzeitlich ergab sich noch durch Zufall (und mit Hilfe meiner Freunde im Fuldaer Louis-Shop) ein Kontakt mit einem ander RF 900-Fahrer, der die RF in Zahlung gegeben und eine Hayabusa vorbestellt hatte. Der bot mir einen ganzen Reigen an Zubehör für die RF zum kleinen Preis an. Da war zB. ein kompletter SuperBike-Lenker Umbausatz von ABM, passende Stahlflex-Bremsleitungen von Spiegler, ein kompletter Kettensatz, eine komplette Hinterradfelge, eine MRA-Tourenscheibe, ein kompletter Koffersatz von Hepco+Becker usw.

Der SuperBike-Lenker hatte es mir am meisten angetan, da mir auf der RF die Handgelenke doch schon nach kurzer Fahrzeit ziemlich weh taten. Also wurden wir uns über den Preis schnell einig und ich hatte eine recht volle Garage mit RF-Zubehör.


 

Jetzt kamen mehrere Sachen zusammen:

Da das Wetter nicht schöner zu werden schien, ich das Lenkkopflager der RF ohnehin wechseln wollte und der SuperBike-Umbausatz schon auf den Anbau wartete, machte ich das alles in einem Aufwasch. Da die Gabel ja nun eh ausgebaut werden muß, kann ich auch noch schnell neue Gabelsimmeringe einbauen. Die Suzuki wurde mit einem Flaschenzug in der Garage aufgehängt, der BMW mußte draußen bleiben und es konnte losgehen :-)

Der Wechsel des Lenkkopflagers gestaltete sich komplizierter als angenommen. Die alten Lagerschalen rauszuklopfen war recht simpel.

Allerdings war ich Schweißnaß als ich endlich die neue untere Lagerschale dort hatte wo sie hin gehört.

Der Umbau auf den SuperBike-Lenker war dagegen relativ einfach zu bewerkstelligen und es paßte sogar alles Haarscharf ohne das ich was an der Verkleidung hätte aussägen müssen.

Die Gabelsimmeringe waren auch recht schnell gewechselt, obwohl wiederum das Reinklopfen der Neuen nicht gerade leicht war.

Noch einfacher war der Anbau der Stahlflex-Bremsleitungen und das anschließende Wiederbefüllen und Entlüften der Bremsanlage. Wenn ich nur daran denke was das Entlüften bei der SevenFifty-Bremse für ein Drama war konnte ich es kaum fassen, daß das bei der RF 900 dermaßen schnell und unkompliziert geht.

Zum Schluß baute ich noch die dunkel getönte Tourenscheibe von MRA an. Die ist aber dermaßen hoch und sieht so kolossal häßlich aus, daß ich kurzerhand mit der Bohrmaschine und einem darin eingespannten Schleifteller die Scheibe meinen Vorstellungen entsprechend bearbeitete. Das Ergebnis war sogar recht ansprechend und die Scheibe gefiel mir ganz gut an der RF 900.

 

Das Fahrverhalten der Suzuki war nach diesen Modifikationen ein völlig Anderes, zumal ich mit den Bridgestones vorher auch noch keine allzu großen Erfahrungen sammeln konnte. Am meisten beeindruckt war ich vom SuperBike-Lenker Umbau! Der Unerschied zwischen den originalen Stummeln und dem SuperBike-Lenker ist rein optisch betrachtet nicht sonderlich groß. In der Kröpfung fast identisch, lediglich einige Centimeter höher und etwas breiter liegt jedoch der Lenker ergonomisch betrachtet perfekt in der Hand. Die RF 900 wandelt sich vom Kurvenverhalten fast zur SevenFifty und läßt nun auch längere Touren ohne schmerzende Handgelenke zu. Zudem ist die Sitzposition ein klein wenig aufrechter, was mein 33jähriger Rücken mit großer Dankbarkeit und nur noch ganz wenigen Schmerzen quittierte.

Mag sein, daß die Endgeschwindigkeit mit dem SuperBike Umbau etwas abgenommen hat. Aber mich interessiert eigentlich nicht so sehr, ob die RF 900 nun statt 250km/h nur noch 235 oder 240 läuft, wenn dafür die Fahrbarkeit insgesamt wesentlich aufgewertet wird.

Was nun am Ende welchen Anteil am Fahrverhalten hat, kann ich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls fuhr sich die RF 900 mit neuem Lenkkopflager, neuen BT 57 und dem SuperBike-Lenker absolut genial gegenüber vorher. Die Handlichkeit war fast schon übertrieben und die BT 57 glänzten mit ausgezeichneter Naßhaftung (schließlich war es inzwischen Herbst geworden).

Einzig das etwas komische "Reinkippen" der BT 57 in langsamere Kurven verunsicherte mich doch jedesmal wieder und ließ erst langsam Vertrauen zu dem Reifen aufkommen. Dieses Verhalten kannte ich derart ausgeprägt von den BT 54 auf der CB SevenFifty überhaupt nicht.


 

Das nächste Problem:

Bekanntermaßen hat die RF 900 einen einfach Benzinhahn ohne Unterdruckanschluß vom Motor, sowie eine elektrische Benzinpumpe.

Irgendwann bemerkte ich auf der Heimfahrt nach Schichtende, daß die Suzuki während der Fahrt ausgehen will. Das kannte ich noch von der SevenFifty wenn es Zeit war auf Reserve umzustellen. Aber die RF hat doch erst 150km mit dem Tank gefahren? Na egal, auf Reserve umgestellt und weiter ging´s. An der Tanke dann große Überraschung, als nur gerade mal 10 Liter Sprit reingehen.

Was kann das sein? Ich konnte mich noch genau erinnern wie ich die RF mal über mehr als 260km gefahren habe, bis ich zwangsläufig den Benzinhahn auf Reserve umstellen mußte. Die Warnleuchte fängt übrigens schon 50km früher an zu leuchten :-)

Ich hab überprüft ob die Tankentlüftung funktioniert, ob kein Schlauch irgendwo ab oder geknickt ist, den Benzinhahn zerlegt und gesäubert, die Benzinfilter aus dem Tank ausgebaut und gereinigt....

Hat alles nix gebracht :-/

Jetzt fahre ich halt nur noch in der Reserve-Stellung des Benzinhahns und richte mich nach der Warnleuchte. Das funktioniert soweit ganz gut, ist aber irgendwo doch eine etwas unbefriedigende Lösung.

 


 

Naja, im Winter hab ich die RF dann frisch gewaschen. gewachst und teilweise mit Sprühöl behandelt in einer Maschinenhalle stehen lassen und bin mit dem Auto zur Arbeit. Anfang Januar 1999 war aber richtig schönes Wetter, so daß meine Saisoneröffnungsfahrt schon am 1. Januar stattfand und ich mich freute nicht abgemeldet zu haben :-)

Dummerweise kam jetzt zu ersten mal deutlich die Verarbeitungsqualität der Suzuki zum Vorschein. Trotzdem sie bei Streuwetter überhaupt nicht draußen war, hatten viele Schrauben ein etwas gammeliges Aussehen und die Aluschwinge Flecken angenommen :-(

Ich hab manche Schrauben ersetzt, die Schwinge ordentlich gewienert und alles wieder dick mit Reinigungs- und Pflegeöl eingesprüht.

Ab Ende Februar war die Suzuki dann wieder fast durchgehend auf hessischen Straßen unterwegs und meinte mir ein neues Problem präsentieren zu müssen:

 

Ich kann nicht mehr genau nachvollziehen ab welchem Zeitpunkt sie das gemacht hat, es muß aber irgendwie Anfang des Jahres gewesen sein.

Äußert sich so:

Ich fahre bei Regen los oder ich komme während der Fahrt in selbigen. So lange die RF fährt gibt´s (fast) überhaupt kein Problem.

Sobald ich aber zB. an einer Ampel stehenbleiben muß, fängt nach kurzer Zeit der Leerlauf an unruhig zu laufen. Wenn´s zu schlimm wird muß ich machmal sogar mit dem Gas spielen um sie am laufen zu halten. Will ich dann anfahren, läuft sie sehr bockig (IMHO auf 3 Zylindern) los und tut dann nach einigen Metern so als wäre nix gewesen. Während der Fahrt merkt man das manchmal, wenn man ganz ohne Gas langsam um ein Kurve rollt und dann wieder rausbeschleunigt. Wenn es unterwegs wieder abtrocknet ist das Problem sofort wieder verschwunden. Ich bin echt ratlos :-/

Was hab ich schon gemacht:

Die Zündspulen samt Zündkabel lt. Bucheli Werkstatthandbuch mit dem Multimeter auf den richtigen Ohmschen Widerstand geprüft. Der ist soweit O.K. Allerdings steht im Handbuch, daß so eine Zündspule im "trockenen" Zustand durchaus in Ordnung sein kann, im Betrieb aber völlig daneben. Das kann ich hier leider nicht so ohne weiteres überprüfen. Nach Undichtigkeiten im Bereich Ansaugstutzen gesucht, nix gefunden. Ablauflöcher in den Zündkerzenschächten mit feinem Draht durchstochert und mit Preßluft durchgeblasen. Haufenweise Steckverbindungen der Elektrik gesäubert, mit Polfett eingeschmiert und (vorzugweise im Spritzwasserbereich) zusätzlich abgedichtet.

Zwischendurch hatte ich aus lauter Ratlosigkeit und weil ich es bei der letzten Inspektion als einzigsten Punkt ausgelassen hatte, einen neuen Luftfilter gekauft. Und weil mir nach dem Winter die RF irgendwie vorkam, als hätte sie im mittleren Drehzahlbereich einen Durchhänger, kaufte ich mir das entsprechende Teil von K&N. Dummerweise schien der K&N-Filter das Problem noch zu verstärken. Ich schaute also noch einmal genau nach, ob ich den Filter auch richtig rum eingebaut hatte und ob da nirgendwo Falschluft gezogen werden konnte. Die Einbauanleitung des K&N Filters ist wirklich sehr knapp gehalten und meiner Meinung nach ein bißchen unverständlich geschrieben. Jedenfalls probierte ich den Filter nun andersrum aus. Natürlich mußte ich ihn dazu vorher reinigen und neu einölen, hätte ich mir doch sonst den ganzen bisher gefilterten Staub auf einmal in den Motor gesogen. Also hab ich kurzerhand den Filter mit Bremsenreiniger durchgesprüht, vorsichtig durchgepustet (keinesfalls mit Druckluft, sonst geht das Gewebe kaputt) und mit einer uralten Dose K&N Filteröl neu benetzt. Was soll ich sagen, seitdem läuft die RF astrein, nix mehr von Leistungslöchern und ähnlichen Gebilden zu spüren.

Allerdings half der Filterwechsel nix gegen das Feuchtigkeitsproblem :-/

 

Nach meiner Anfrage im Motorrad Online Forum, sowie in der Newsgruppe de.rec.motorrad habe ich mehrfach den Tip bekommen die Zündkabel sowie die Stecker zu tauschen. Das hab ich jetzt gemacht und beim erneuern der Kabel festgestellt, das bei zwei Kabeln die Enden welche zur Zündspule zeigen ziemlich stark oxidiert waren. Vielleicht ist das Problem damit ja nun gelöst.

 


 

Die Tage wurden länger und das Frühjahr kam. Am ersten richtig schönen Wochenende, viele Händler hatten Saisoneröffnung (13.3.), war ich mit der RF 900 wieder mal in der Gegend um Schotten unterwegs. Leider hatte ich mir an diesem Tag etwas zu viel vorgenommen und wurde in einer scharfen Linkskurve von der Straße getragen :-/

Relativ unbeschadet fand ich mich im Graben neben der RF liegend wieder, die den Ausritt ins Unterholz leider nicht so gut überstanden hatte. Sofort hielten 4 oder 5 andere Motorradfahrer und halfen mir die RF aufzurichten und auf den nächsten Weg zu schieben. Zuhause ergab dann eine genauere Betrachtung, daß es an der Technik zum Glück kaum etwas auszusetzen gab. Den Lenkanschlag hatte es ein klein wenig verformt, wodurch das linke Gabelstandrohr im Bereich zwischen der unteren und oberen Gabelbrücke ganz leicht in den Rahmen einschlug und zwei winzige Beulen hinterlies. Leider schlug mir bei dieser Gelegenheit, dank dem SuperBike-Lenker, die linke Lenkerarmatur in den Tank ein und hinterließ genau auf dem Suzuki-S eine schöne Delle :-(

Wenn die RF einen Alu-Rahmen hätte, wäre der in diesem Fall reif für den Schrott gewesen. Aber der Stahlblechrahmen kann zwei so winzige Beulen problemlos wegstecken, wie mir glaubhaft von einem bekannten Zweiradmechaniker versichert wurde. Der Lenkanschlag wurde (Kalt) gerichtet und funktioniert wieder wie er soll.

Ansonsten hatte es noch ein ganz klein wenig das letzte Ende des Rahmenhecks auf der linken Seite nach unten gebogen, da die RF irgendwie mit dem Sozius-Haltegriff aufgeschlagen ist. Das waren aber höchstens einige Milimeter und ließ sich ohne Probleme mit einem Stück Rohr wieder richten.

Die weitaus größeren Schäden waren Naturgemäß im Bereich der Verkleidung zu verzeichnen. Die Frontverkleidung war auf der Frontseite, links neben dem Scheinwerfer drei mal gerissen und somit kaum zu retten. Glücklicherweise hatte ich bei meinem im vorigen Herbst gekauften RF-Zubehörsortiment auch noch eine komplette Frontverkleidung und den dazu passenden Hilfsrahmen in der Garage liegen. Die linke Verkleidungsseite war heftigst verschrammt und die beiden Gitter mehrfach gebrochen. Auf der rechten Seite hatte sich zwischen Soziushaltegriff und darunterliegender Verkleidung ein dicker Stein eingeklemmt und die Verkleidung dabei zerbrochen.

Links war dann noch ein Blinker sowie ein Spiegel auf der Verlustliste zu vermerken. Seltsamerweise war kein Instrument beschädigt, nicht mal der Kupplungshebel gebrochen. Einzig der Schalthebel bedurfte ein wenig der Kaltverformung um wieder seine ursprüngliches Aussehen anzunehmen.

In der Folgezeit telefonierte ich bundesweit nach gebrauchten Ersatzteilen, wurde aber Schlußendlich nur bei "MRA" fündig, die mir die benötigten Teile verkaufen konnten.

Nach einigen Preisanfragen bei örtlichen Lackierbetrieben hab ich mich entschlossen die RF 900 komplett neu lackieren zu lassen, da das vom Preis her kaum noch einen Unterschied zur Teillackierung in der Originalfarbe machte. Als Farbe hab ich mir VW-Gelb 21 ausgesucht :-)

Am Ostermontag konnte man die RF 900 zu ersten mal seit dem Sturz wieder in einem Stück bewundern.


In den daruffolgenden Wochen und Monaten gab es wenig bis gar nichts am Motorrad zu warten oder zu reparieren. Einzig die mittlerweile doch etwas zur Neige gehenden BT 57 fuhren sich nicht mehr zufriedenstellend. Der Vorderreifen bot zwar noch reichlich Profiltiefe (ca.3mm), war aber an den Flanken auf einigen Stellen auch schon fast auf den Verschleißmarkierungen. Der Hinterreifen ließ in der Laufflächenmitte am schnellsten nach, was in der Natur der Sache liegt wenn man jeden Tag 30km gut ausgebaute Bundesstraße zur Arbeit und wieder heim fährt. Einen gehörigen Schrecken versetzte mir der Hinterreifen, als ich mit Bekannten zum Anlassen nach Gründau fuhr. Da ist mir der BT 57 beim Beschleunigen auf nasser Straße plötzlich unvermittelt heftig weggerutscht. Mit Mühe hab ich die RF wieder in die Spur gebracht und um bin um ein Haar um einen Highsider herumgekommen :-/

Das wäre echt Klasse gewesen, die frisch lackierte Suzuki nach 14 Tagen wieder geschrottet.

 

Die letzte größere Fahrt mit den betagten BT 57 ging zur "Megafete" der Internet-Newsgruppe <de.rec.motorrad>

 

Danach immer nur ein kurzes Stück zur Arbeit und wieder nach Hause, ansonsten hatte ich leider nicht viel Zeit zum Motorradfahren.

Am 13. Juni wollte ich mich aber dann doch noch einmal kurzfristig mit meinen Bekannten aus dem Taunus treffen um eine kleine Tour zu fahren. Das Datum hätte mir allerdings Warnung genug sein sollen. Ich fuhr in Richtung Friedberg bei trockener Witterung los. Auf halber Strecke fing es aber an zu Regnen und kommt wie es scheinbar kommen mußte. Ich fahre auf gerader breiter Bundestraße mit ca. 70-80km/h auf eine Ampelanlage zu. Als ich etwa 100-150m von der Ampel entfernt bin, springt sie von Grün auf Gelb um. Ich fasse kurz an den Bremshebel und finde mich im nächsten Moment auf dem Bauch rutschend der RF 900 folgend wieder :-((

Die RF bleibt nach gut 50m Rutschpartie den Verkehrsregeln entsprechend vor der mittlerweile roten Ampel liegen. Ich muß die letzten 20m zu Fuß gehen und möchte am liebsten im Boden versinken. Jemand hilft mir die Suzuki aufzustellen und ich probiere ob sie noch läuft.

Nach kurzer Anlasserorgelei kommt sie wieder und läuft rund. Kurzer Rundgang ums Mopped bringt soweit nix größeres ans Tageslicht. Also hab ich mich wieder draufgesetzt und bin nach Hause gefahren. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich wirklich ernsthaft das Motorrad verkaufen und niemals wieder eines haben.

 

Aber so ganz ohne Motorrad geht´s einem ja auch nicht gut und so baute ich die beschädigte Verkleidung erstmal ganz ab und fuhr mit "Halbschale" durch die Gegend. Technisch hatte sich die RF bei der Rutschpartie nur ein etwas angeschabtes Motorgehäuse im Bereich des linken Kurbelwellenlagers zugezogen. Ansonsten opferten sich wieder mal der Schalthebel, sowie der Seitenständer und die linke Soziusfußraste und gaben etwas Metall an die Straße ab. Logisch, daß die Verkleidung auch wieder Federn gelassen hatte :-(

Also begab ich mich wiederum telefonisch auf die Jagd nach entsprechenden Kunstoffteilen. Nach schier endlosen Telefonaten durch ganz Deutschland wurde ich am Ende doch wieder nur bei MRA fündig. Dort bekam ich die linke Verkleidungshälfte und die beiden zugehörigen Gitteröffnungen einer 1996er RF 900 für zusammen ca. 450,-DM und dazu das Versprechen beim nächsten mal einen Stammkundenrabatt zu erhalten :-/

Der Lackierer fiel ebenso aus allen Wolken als ich ihm die Teile zum gilben vorbeibrachte und außerdem riefen mir alle Leute in der folgenden Zeit nach, ich solle doch bitte etwas vorsichtiger fahren :-//

Als ich die fertig lackierten Verkleidungsteile bekam und die RF 900 noch "Halbnackt" vor mir stand, nutzte ich die Gelegenheit und machte nach knapp 10000km gleich noch ein paar Inspektionsarbeiten. Günstigerweise hat sich am Ventilspiel so gut wie nichts verändert, einzig zwei Ventile standen jeweil 2 Hundertstel anders als beim letzten mal.

 


Die BT 57 mußten nun wirklich runter, ich hatte einfach kein Vertrauen mehr zu ihnen. Bei beiden Stürzen waren die Reifen wohl unschuldig, aber irgendwas mußte ich einfach verändern. Beim zweiten Sturz bin ich mir zudem noch nicht sicher, ob ich auf irgendwas Glitschigem (Bitumen, angelöster Straßenstaub+Gummiabrieb, Ölspur) ausgerutscht bin oder einfach ein bißchen überbremst hab.

Allerdings fahre ich schon seit mehreren Jahren auch bei schlechtem Wetter und denke eigentlich nicht, daß ich zu hart die Bremse angefaßt habe. Möglicherweise kann es eine Rolle spielen, daß ich einige Tage vorher mit dem Gabelöl experimentiert und dabei die Gabel insgesamt etwas weicher abgestimmt habe. Zudem hatte ich noch den Bremshebel eine Stufe weiter zum Handgriff hin verstellt, so daß ich ihn etwas besser erreichen konnte. Beim Bremsen nickte die Gebel nun etwas weiter ein, was ja auch eine verstärkte Gewichtsverlagerung nach vorne bewirkt und so möglicherweise die Bremse etwas heftiger reagieren ließ.

Aber das sind alles Mutmaßungen und machen mich nicht schlauer als vorher. Als vorläufige Konsequenz aus dem zweiten Sturz habe ich mir ein extrem vorsichtiges Naßfahrverhalten angewöhnt. Ich hoffe, daß gibt sich mit der Zeit wieder etwas, da ich in vielen Kurven schon zu sehr verkrampfe und die Fahrerei so kaum noch Spaß macht.

 

Ich hab nun also überlegt welcher Reifen am besten für mich in Frage kommt. Einmal dachte ich an die BT 54 von Bridgestone, weil die von vielen Händlern als die ausgewogensten Reifen dieser Marke empfohlen werden und weil mir die auf der SevenFifty wirklich ausgezeichnet gefallen haben. Dann bin ich aber nach längerer Durchforstung diverser Testberichte und Empfehlungen anderer Motorradfahrer zum Ergebnis gekommen, es einmal mit den Metzeler ME Z4 zu probieren. Trotz meiner Bedenken bezüglich den Erfahrungen mit dem Z2!

Als mein Reifenhändler mir die Metzeler genauso günstig anbot wie einen Satz Bridgestone BT54 hab ich dann nicht mehr gezögert. Wiederum als ich das Vorderrad abnahm, stellte ich ähnlich wie im letzten Herbst fest, das ein Lager defekt war. Diesmal war aber das Lenkkopflager einwandfrei :-) Dafür hatten die Vorderradlager deutlich fühlbares seitliches Spiel.

Zum Glück sind in der Suzuki einfache Standardlager verbaut, zu denen es kompatible Gegenstücke von SKF gibt. Das Paar hat mich bei einem örtlichen Händler 25,-DM gekostet, wobei die SKF-Lager im Gegensatz zu den Originalen sogar beidseitig gedichtet sind.

Das Wechseln der Radlager ist beim Vorderrad der Suzuki wirklich einfach. Die SKF-Lager hatte ich einige Stunden zuvor in die Gefriertruhe gelegt und so ließen sie sich ohne großen Kraftaufwand mit vorsichtigen Schlägen auf den Außenring in die Nabe treiben. Recht praktisch hierbei war, daß ich die Lagerschalen des alten Lenkkopflagers aufgehoben hatte und mit einer dieser Schalen genau passend den Außenring der Radlager bedecken konnte.

Inzwischen mußte ich feststellen, daß auch das Hinterrad ein entwas rau laufendes Radlager vorzuweisen hat. Da im Hinterrad die gleichen Lager verbaut sind, hab ich diese nun eben auch noch gewechselt. Ist ja wirklich kein Aufwand und man merkt die Verbesserungen im Fahrverhalten deutlich!

 

Die Metzeler ME Z4 Reifen hab ich jetzt seit einigen Tagen auf der RF 900 und konnte sie nun auch schon mal richtig anfahren. Ich bin ja wirklich etwas hin- und hergerissen und ich will den Bridgestones auf keinen Fall Schlechtes nachreden. Aber die Z4 sind auf der RF eine echte Offenbarung. Die Maschine läuft (vor allem bei hohen Geschwindigkeiten) so ruhig, wie sie mit den BT 57 niemals gelaufen ist. Das "Hineinkippen" in Kurven ist völlig verschwunden, vielmehr läßt sich die RF leicht und "rund" in die Kurve legen. Und die Gabel klappert nicht mehr auf Kopfsteinpflaster, so wie sie es mit den Bridgestones gemacht hat. Offenbar gleicht die Charakteristik der ME Z4 die Fahrwerksschwächen der RF 900 ein gutes Stück aus.

Oder kurz gesagt: Der Z4 harmoniert mit der RF 900 um ein vielfaches besser als die BT57 es jemals konnten.

Ein Urteil über die Naßhaftung kann ich allerdings nicht fällen, da ich derzeit im Nassen wohl selbst den größten "Holzreifen" nicht in seine Grenzbereiche bringen könnte :-)

 

Das war also mein Bericht zum ersten Jahr mit meiner RF 900. Für das nächste Jahr wünsche ich mir eigentlich nur weniger Stürze :-)

Ansonsten darf sie so bleiben wie sie ist. Ein feines, bärenstarkes Motorrad mit viel Charakter und schicker Verschalung.

 

Wenn ich irgendwann mal wieder zu Geld kommen sollte, dann hole ich mir wohl noch ganz bestimmt den Bagster Tankrucksack für meine RF 900 R. Ich finde die Lösung mit dem Kunstlederüberzug af dem Tank einfach genial. Aber das muß noch etwas warten.

 

 

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